1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse
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GEWERKSCHAFTSPROZESSE

Verfolgung: Gestapo
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Verfolgung: Justiz
Ermittlungen
Prozesse
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Curt Benn (Jg.1897): galt als Chef des Sicherheitsdiensts der SS (SD); das Verfahren gegen ihn wurde 1950 eingestellt Curt Benn (Jg.1897): galt als Chef des Sicherheitsdiensts der SS (SD); das Verfahren gegen ihn wurde 1950 eingestellt
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Friedhelm Schüttler (Jg. 1910): seit 1936 im Dienst der Gestapo; das Verfahren gegen ihn wurde 1950 eingestellt Friedhelm Schüttler (Jg. 1910): seit 1936 im Dienst der Gestapo; das Verfahren gegen ihn wurde 1950 eingestellt
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DOWNLOADS
Schreiben zu verschärfter Vernehmungen
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DIE ZUSAMMENARBEIT MIT DEM SICHERHEITSDIENST DER SS (SD)
 

Die Wuppertaler Gestapo arbeitete bei ihren Ermittlungen im Vorfeld der Gewerkschaftsprozesse mit dem Sicherheitsdienst der SS (SD) zusammen. Trotz allerlei Abgrenzungs- und Kompetenzprobleme in anderen Fragen kam es bei der Zerschlagung des Arbeiterwiderstands zu einer engen Kooperation zwischen beiden Behörden.

Soweit sich dies aus dem fragmentarischen Material rekonstruieren lässt, bestand in Wuppertal eine Außendienststelle des SD, die in der Von-der-Heydt-Gasse residierte und dem SD-Unterabschnitt Düsseldorf (geleitet von SS-Hauptsturmführer Paul Blobel) unterstand, der seinerseits dem in Düsseldorf residierenden SD-Oberabschnitt West (Leiter: SS-Sturmbannführer Alfons Glatzel) zugeordnet war. Auch die vom SS-Untersturmführer Wilhelm Schild geleitete SD-Außenstelle in Burg an der Wupper schaltete sich in die Ermittlungen gegen Wuppertaler KPD-Angehörige ein.

Im Rahmen der Ermittlungen gegen die Arbeiterbewegung operierte im Regierungsbezirk Düsseldorf ein 40-köpfiges mobiles SD-Sonderkommando unter dem Befehl eines SS-Führers, der als »Löwe vom Niederrhein« berüchtigt war und bei dem es sich höchstwahrscheinlich um den SS-Oberscharführer Hermann Nosbüsch handelte. Die Angehörigen des Sonderkommandos übernahmen die Observation, Festnahme und Verhöre von Mitgliedern des kommunistischen Untergrunds. Wie die Gestapo verfügte auch der SD über einen Stamm von V-Leuten, die als Informationsbeschaffer und Spitzel in die Organisationen der Arbeiterbewegung eingeschleust wurden. Besonders tat sich hierbei der unter dem Decknamen ?Stibi? agierende Josef Huppertz hervor, der seit 1925 als Spitzel für die politische Polizei und später als bezahlter Agent für die Gestapo und den SD arbeitete. Da er zwischen 1927 und 1933 als Bezirksleiter der KPD in Düsseldorf fungierte, konnte er wesentliche Informationen liefern, die zur raschen Zerschlagung der illegalen KPD in den ersten Monaten der NS-Diktatur führten.

Die SD-Dienststellen leiteten Anzeigen wegen ?staatsfeindlicher Betätigung? an die Wuppertaler Gestapo weiter, die dann die Vorermittlungen übernahm. Über Friedhelm Schüttler, einen Mitarbeiter der Gestapo, der gleichzeitig dem SD angehörte, wurde der Wuppertaler SD-Chef Curt Benn regelmäßig über den Stand der Ermittlungen in den Hochverrats-Angelegenheiten informiert. Dieser gab die Informationen seinerseits an die vorgesetzte Dienstsstelle in Düsseldorf weiter, die ausführliche Berichte an die SD-Zentrale in Berlin sandte. Umgekehrt schaltete sich der SD in die Ermittlungen der Wuppertaler Gestapo ein. Von Benn oder dessen Vorgesetzten in Düsseldorf sollen Anweisungen über die Anwendung der so genannten ?verschärften Vernehmungen? [siehe Download: Schreiben zu verschärften Vernehmungen] an die Gestapo erteilt worden sein. Nach (den mit Vorsicht zu behandelnden Entlastungs-)Aussagen ehemaliger Gestapobeamten soll vor allem der SD für das brutale Vorgehen gegen die Gefangenen verantwortlich gewesen sein. Sofern die Vernehmungen der Gestapo ins Stocken gerieten, beauftragte Benn die Angehörigen des SD mit den weiteren Ermittlungen. Einige Beamte oder Angestellte des örtlichen SD oder des Düsseldorfer Kommandos waren ? zum Teil uniformiert, zum Teil in Zivilkleidung ? bei den Vernehmungen zugegen und schalteten sich als Schlägertruppe unmittelbar in die Verhöre ein. Die jeweiligen Gestapobeamten legten den SD-Leuten dazu einen Bogen mit vorformulierten Fragen vor, die diese dann im Rahmen so genannter Vorvernehmungen abarbeiteten und die Ergebnisse, das heißt in erster Linie die Namen weiterer Verdächtiger, an die Gestapo weitergaben.

Bei den Vernehmungen standen die SD-Angehörigen ihren Kollegen von der Gestapo an Brutalität und Grausamkeit in nichts nach. In einem Lagebericht der Gestapo hieß es über die Ermittlungsarbeit des SD euphemistisch, dass sich infolge der vielen Festnahmen ?manche Härte nicht vermeiden lie?. Für den Wuppertaler Fall bedeutete dies konkret, dass die SD-Beamten die Inhaftierten unmittelbar im Vernehmungszimmer oder einem separierten Nebenraum schlugen, traten oder auf andere Weise brutal misshandelten. Vielfach wurden den Gefangenen die Augen verbunden, damit diese die SD-Leute ? einer von ihnen war V-Mann ?Stibi? Huppertz ? nicht erkennen konnten. Ein Teil der Häftlinge soll gezwungen worden sein, antifaschistische Flugblätter an Dritte weiterzugeben, um darüber weitere Personen überführen zu können.

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