1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse
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GEWERKSCHAFTSPROZESSE

Verfolgung: Gestapo
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Ermittlungen
Prozesse
  - Bertram
  - Eikelmann
  - Löhde
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Gustav Domin (Jg. 1903): wurde zu 7 Jahren Zuchthau verurteilt Gustav Domin (Jg. 1903): wurde zu 7 Jahren Zuchthau verurteilt
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Hans Höffken (Jg.1908): wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt Hans Höffken (Jg.1908): wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt
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Emil Haas (Jg. 1895): wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt Emil Haas (Jg. 1895): wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt
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Ernst Bertram (Jg. 1909): wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt Ernst Bertram (Jg. 1909): wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt
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Urteil im Verfahren Recks u.a.
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BERTRAM U.A.
 

Als Auftakt der so genannten Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse wird im allgemeinen das Verfahren ?Bertram u.a.? gewertet - das einzige Verfahren in der Reihe der Massenprozesse, das vom Oberreichsanwalt am Volksgerichtshof (VGH) geführt wurde.

Der VGH kam eigens aus Berlin nach Wuppertal und tagte im Landgericht. In der öffentlichen Sitzung am 22. November 1935 sprach der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Schauwecker die Urteile über zwölf Männer und eine Frau. Die Urteile waren das Ergebnis der vier mündlichen Verhandlungen vom 18. bis zum 22. November 1935. Hierbei ging es den Richtern kaum darum, die den einzelnen Akteuren vorgeworfenen Straftaten objektiv zu bewerten. In dem Verfahren - wie auch in den anderen Massenprozessen - wollte die NS-Justiz ein Exempel statuieren. Ohne Zweifel wurden in diesem Verfahren auch einige der führenden Köpfe des Neuaufbaus der illegalen Widerstandsstrukturen verurteilt: die Solinger Ernst Bertram und Wilhelm Recks sowie die Wuppertaler Otto Heyler, Gustav Domin und Hans Höffken. Bertram erhielt die Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus; Recks und Höffken wurden zu je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, Heyler und Domin zu sieben Jahren Zuchthaus. Die anderen Angeklagten erhielten ebenfalls Zuchthaus- oder Gefängnisstrafen.

Die Urteilsbegründung gibt einen Einblick über die Intensität der Verfolgungen im Jahr 1935 in Wuppertal. Dort heißt es: ?In welchem Ausmaße gerade in diesem wichtigen Industriegebiet die KPD. nach der Machtübernahme wieder illegal aufgebaut worden ist, ergibt sich aus den Aussagen des Zeugen Kriminalassistent Zimny aus Wuppertal, der bekundet hat, dass in der Zeit von Mitte Januar bis etwa Mitte November 1935 in Wuppertal allein etwa 1300 Personen wegen Verdachts der illegalen Betätigung für die KPD. festgenommen worden seien.?

Heyler und Recks wurden zusammen mit dem kurze Zeit später verstorbenen Willy Muth am 17. Januar 1935 von Gestapobeamten festgenommen. Diese Festnahmen gelten als der Beginn der Massenverhaftungen, die zu den Gewerkschaftsprozessen führten. Mit der Festnahme dieser drei Personen gelang es der Gestapo in der Tat, einige der führenden Funktionäre des Wiederaufbaus der illegalen KPD und der freien Gewerkschaftsgruppen zu fassen. Und nur vier Tage später verzeichnete die Gestapo mit der Festnahme der KPD-Funktionäre Höffken und Domin einen weiteren Erfolg.
Bertram wurde erst ein Vierteljahr später als die anderen Hauptangeklagten festgenommen. Auf seine Spur kam die Gestapo durch ein abgehörtes Telefongespräch. Bertram war von Mai 1934 bis Januar 1935 Instrukteur der KPD bei der Bezirksleitung Niederrhein und damit maßgeblich am Wiederaufbau der KPD des Unterbezirks Wuppertal beteiligt. Außerdem wurde von ihm auch der Gewerkschaftsapparat aufgebaut. Als Instrukteur hatte er sowohl Verbindung zu den Unterbezirksleitern als auch zur Landesleitung der illegalen KPD in Berlin.

Als Stellvertreter Bertrams galt der zunächst in Solingen und ab September 1935 in Wuppertal tätige Recks. Ihm unterstanden alle Nebenorganisationen. Er war auch für den Aufbau der illegalen Strukturen in Velbert zuständig. Höffken galt als der Leiter des technischen Apparats für den gesamten Bezirk Niederrhein. Er sorgte unter anderem dafür, dass die im Ausland hergestellten Schriften wie die ?Rote Fahne? oder die ?Junge Garde? im Bezirk Niederrhein und damit auch in Wuppertal zur Verteilung kamen. Für den technischen Apparat in Wuppertal waren die beiden Funktionäre Heyler und Domin zuständig. Heyler baute einen Schriftenverteilungsapparat auf und war bis Juni 1934 Hauptkassierer für den Stadtteil Barmen. Darüber hinaus war er verantwortlich für die Erstellung und Verteilung von Flugschriften. Domin arbeitete hauptverantwortlich als Techniker und wurde ab etwa November 1934 von der Bezirksleitung als Nachfolger von Heyler eingesetzt. Die anderen Angeklagten dieses Verfahrens betätigten sich in unterschiedlich starkem Umfang im technischen Apparat: Sie stellten in erster Linie Flugschriften her und/oder sorgten für ihren Vertrieb. Der Aufbau von Betriebs- bzw. Gewerkschaftsgruppen wird in den Urteilen bei diesem Verfahren lediglich am Rand erwähnt, wenngleich zumindest Heyler, Bertram und Recks allein durch ihre jeweiligen Funktionen auch mit dem Aufbau der Gewerkschaftsgruppen betraut waren.

Bei allen Angeklagten sahen die Richter es als erwiesen an, dass es sich bei ihren Taten um ?hochverräterisches Treiben? handelte und dieses Verhalten den Angeklagten auch immer bewusst gewesen sei. Eine Ausnahme war Marianne Brechner - die einzige Frau in diesem Verfahren -, bei der die Richter lediglich den ?Gehilfenvorsatz? annahmen. Sie sei selbst nicht politisch interessiert gewesen sei, sondern hätte lediglich ihrem Mann einen Gefallen getan. Auch die Aktivitäten von Karl Knehans und seinem Stiefsohn Hermann Göbbel (Herstellung und Verbreitung von illegalen Schriften mit sehr geringem Umfang) wurden nicht als ?Hochverrat? angesehen, sondern nur als Handlangerdienste gewertet.

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