1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Deutsche Textil-Arbeiter Zeitung von Dezember 1934
Deutsche Textil-Arbeiter Zeitung von Dezember 1934
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Paul Claasen (Jg. 1891): Gewerkschaftsinstrukteur im Unterbezirk Wuppertal Paul Claasen (Jg. 1891): Gewerkschaftsinstrukteur im Unterbezirk Wuppertal
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Cläre Muth (1904-1984): verantwortlich für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen in Elberfelder Betrieben; 1935 Flucht nach Holland, dann Frankreich und Mexiko Cläre Muth (1904-1984): verantwortlich für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen in Elberfelder Betrieben; 1935 Flucht nach Holland, dann Frankreich und Mexiko
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Paul Bender (1893): verantwortlich für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen in Barmer Betrieben; als Hauptangeklagter im Verfahren "Bender u.a." zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt Paul Bender (1893): verantwortlich für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen in Barmer Betrieben; als Hauptangeklagter im Verfahren
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Wilhelm Anger (Jg. 1901): verantwortlich für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen in Elberfelder Betrieben; als Hauptangeklagter im Verfahren "Anger u.a." zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt Wilhelm Anger (Jg. 1901): verantwortlich für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen in Elberfelder Betrieben; als Hauptangeklagter im Verfahren
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Aussage P.Claasen am 4.6.1935
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DIE GEWERKSCHAFTSGRUPPEN IN WUPPERTAL
 

Im Sommer 1934 war es der KPD im Großraum Wuppertal gelungen, in einem organisierten überbetrieblichen Rahmen, gemeinsam mit Sozialdemokraten und Parteilosen, 34 betriebliche Widerstandsgruppen aufzubauen, die direkt in fabrik-interne Auseinandersetzungen eingriffen, eigene Zeitungen herstellten und Kurzstreiks auslösten.

Diese illegalen Gruppen verteilten sich auf Betriebe der Textil- und Metallindustrie, auf die IG Farben Wuppertal (Bayer), die Elberfelder Elektrizitätswerke und die Wuppertaler Bahnen. Mehrere hundert Menschen waren in diesen Gruppen organisiert. In den Betrieben wurden neben anderen illegalen Schriften zwei Zeitungen verkauft: der ?Deutsche Metallarbeiter? mit einer monatlichen Auflage von 500 und der ?Deutsche Textilarbeiter? mit einer von 300 Exemplaren.

Paul Claasen, der Gewerkschaftsinstrukteur im Unterbezirk Wuppertal, berichtete:
?So war das dann auch in Wuppertal, wo ich im Frühjahr 1934 hingeschickt wurde. (?) Und in Wuppertal hatte die Arbeit der Partei ja auch große Erfolge. Dort wurden zusammen mit vielen Sozialdemokraten und Gewerkschaftern die freien Gewerkschaften wieder aufgebaut. In Wuppertal gab es viele gute Genossen und die haben viele gute Gruppen aufgebaut.
In fast allen größeren Betrieben hatten wir freie Gewerkschaftsgruppen, bei Vorwerk, Bemberg, Reinshagen, Schliepkötter und noch anderen. Aus den Betrieben bekamen wir Berichte, aus den Stadtteilen und aus dem Konzentrationslager in der Kemna. Aus diesen Berichten fertigten wir die Zeitungen wie die 'Deutsche Textilarbeiterzeitung' oder die 'Deutsche Metallarbeiterzeitung'. Die Auflage war nicht viel größer als vielleicht hundert Stück, aber die Zeitungen wurden uns regelrecht aus den Händen gerissen und von den Männern und Frauen regelrecht verschlungen. Die gingen dann von Hand zu Hand und waren am Ende ganz zerrissen.?

Federführend bei dieser neuen Gewerkschaftsstrategie war neben der Gewerkschaftsinstrukteurin Elli Schmidt der seit Juli 1934 in Wuppertal eingesetzte Claasen und der Oberberater West für gewerkschaftliche Fragen, Heinrich Schmitt. In Wuppertal bemühte sich ein Kreis um Cläre Muth, Ewald Seiler, Ludwig Vorberg, Fritz Rüddenklau und Paul Bender um eine neue Ausrichtung der Gewerkschaftspolitik der KPD. Weitere Akteure waren der politische Leiter (Pol-Leiter) Ernst Bertram, der Solinger Wilhelm Recks, der als Instrukteur für Wuppertal fungierte, und Fritz Schäfer. Schäfer war von Februar bis Juni 1934 der verantwortliche Mann für die ?RGO-Angelegenheiten? in Wuppertal. Im Juli rückte der Solinger Claasen auf diese Position.

Im September 1934 wurde eine organisatorische Neueinteilung im Unterbezirk Wuppertal in die Unterbezirke Elberfeld und Barmen vorgenommen. Verantwortlich für Elberfeld wurde Willi Anger. Für den Unterbezirk Barmen war Claasen verantwortlich. In den Betrieben, in denen Parteigruppen, RGO-Zellen oder sogar noch KJVD-Zellen nebeneinander arbeiteten, wurden nach Anweisung des ZK so genannte Konzentrationsleitungen gebildet, in denen Vertreter der bestehenden Leitungen aus den Betrieben mitarbeiteten. Ihnen wurden jeweils verantwortliche Instrukteure zugeordnet.

In Barmen waren Gewerkschaftsgruppen unter anderem bei Bemberg, Schnutenhaus, Budde, Tölle und Homberg organisatorisch verankert. Verantwortlich für die illegale Arbeit bei Budde war Ernst Tesche; die Betriebe Tölle, Homberg und Schnutenhaus wurden durch Bender betreut; Julius Pöhler war für Bemberg zuständig. Für den Betrieb Vorwerk, Wuppertal-Lichtenplatz, war Margarethe Dietrich verantwortlich. In Ronsdorf gab es bei Reinshagen eine Gruppe, die durch Fritz Neeb angeleitet wurde.

In Elberfeld betreute Anger den Betrieb Reimann & Meyer, der verantwortliche Funktionär war hier Adolf Wilkesmann. Im Betrieb 3 von Cosmann, Villbrandt & Zehnder war der verantwortliche Mann August Heimann. Für die Betriebe 2 und 3 von Cosmann, Villbrandt & Zehnder, wie auch für die Betriebe Huppertsberg und Storchwerke war wiederum Anger verantwortlich.

Schlüsseldokument für die Einschätzung der Wuppertaler Gewerkschaftsgruppen ist der ausführliche Bericht der Gewerkschaftsinstrukteurin Elli Schmidt vor der ?Brüsseler Konferenz? in Moskau. Sie führte aus, dass sich im Sommer 1934 zuerst in Velbert, dann aber auch in Wuppertal in den Gewerkschaftsgruppen paritätische Leitungen in Betrieben ergeben haben. Die Mitglieder dieser Gruppen druckten in Eigenregie Zeitungen und Informationsmaterial und brachten das Material zur Verteilung. Aus den Betriebszellen wurden regelmäßig Betriebsberichte gegeben.
Die Anleitung über die Bezirksinstrukteure gelang aus Sicht der Instrukteurin aber nicht in allen Fällen. So wiesen die Basisgruppen eine harsche Kritik der Bezirksleitung an den Zeitungen der Gewerkschaftsgruppen selbstbewusst zurück.

Die Aufforderung, in nationalsozialistischen Organisationen mitzuarbeiten, wurde meist ignoriert. In einem Betrieb wurde sogar trotz des angeordneten Strategiewechsels zur Mitarbeit in NS-Organisationen eine Austrittskampagne aus der DAF organisiert. In anderen Betrieben waren die ?trojanischen? Experimente akzeptiert und zum Teil auch erfolgreicher, wo es gelang, in betrieblichen Auseinandersetzungen um Akkordkürzungen den DAF-Obmann zum Handeln zu zwingen.

Schmidt berichtete auch en detail über die Binnenstrukturen der Wuppertaler und Velberter Gruppen. In den Betrieben waren die Gruppen, die 15, 20 bis 25 Personen stark waren, erstmalig abteilungsweise aufgebaut. Die Verbindung zu den Abteilungen wurde über die Zeitung gehalten. Die Gruppen in den Abteilungen umfassten maximal drei bis vier Personen und hielten mit einem Vertrauensmann Verbindung zur Leitung der Betriebsgruppen. Die Leitungen der Betriebsgruppen waren Einheitsleitungen, und sie waren möglichst zusammengesetzt aus Sozialdemokraten, freien Gewerkschaftern, christlichen Gewerkschaftern und Kommunisten. Für die Gewerkschaftsgruppen war ein verantwortlicher Funktionär abgestellt, der die Verbindungen zu Einheitsleitung und zum Gewerkschaftsinstrukteur gewährleisten konnte.

Nach der Aussage von Claasen wurde die illegale Literatur in Elberfeld hergestellt. Sämtliche Literatur wurde auf der Schreibmaschine geschrieben und dann auf einem Greif-Apparat vervielfältigt. Sie produzierten 100 Metallarbeiter-Zeitungen für Velbert, 400 Metallarbeiter-Zeitungen für Bezirk Niederrhein und 200 Textilarbeiter-Zeitungen für Wuppertal. Die Herausgabe erfolgte etwa monatlich und richtete sich nach dem zur Veröffentlichung angelieferten Material. Dieses Material stammte aus den Berichten der einzelnen Betriebsfunktionäre. Zusammengestellt wurde das vorhandene Material jedes Mal durch Vorberg und Schmidt, die auch beide die Leitartikel schrieben.

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