1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Ludwig Vorberg (Jg. 1911): Instrukteur für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen im Velberter Raum; im Februar 1936 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt Ludwig Vorberg (Jg. 1911): Instrukteur für den Aufbau von Gewerkschaftsgruppen im Velberter Raum; im Februar 1936 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt
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Siegfried Eikelmann (Jg. 1896): wurde als Hauptangeklagter im großen Velberter Verfahren "Eikelmann u.a." zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt Siegfried Eikelmann (Jg. 1896): wurde als Hauptangeklagter im großen Velberter Verfahren
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RGO-Gruppe in der Firma Tiefenthal von 1931 (Liste der Namen siehe Download: Namensliste RGO-Gruppe Tiefenthal)
RGO-Gruppe in der Firma Tiefenthal von 1931 (Liste der Namen siehe Download: Namensliste RGO-Gruppe Tiefenthal)
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Alex Judik (Jg. 1903): als Hauptangeklagter der Gruppe Tönisheide im Verfahren
Alex Judik (Jg. 1903): als Hauptangeklagter der Gruppe Tönisheide im Verfahren "Eikelmann u.a." zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt (hier mit Frau und Sohn 1934)
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Namensliste RGO-Gruppe Tiefenthal
Aussage Wirths zur Spendensammlung
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DIE GEWERKSCHAFTSGRUPPEN IN VELBERT
 

Im Unterbezirk Velbert, zu dem auch Neviges-Tönisheide, Wülfrath und Langenberg gehörten, waren die Gewerkschaftsgruppen noch erfolgreicher als in Wuppertal.

Hier gelang es dem Instrukteur Ludwig Vorberg in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaftsinstrukteurin Elli Schmidt, ab September 1934 in 14 Metallbetrieben neben den existierenden Parteizellen Gewerkschaftsgruppen aufzubauen, in denen auch führende freigewerkschaftliche Funktionäre und Sozialdemokraten wie der SPD-Stadtverordnete Alois Diefenbach und der ehemalige Ortsgruppenkassierer Hugo Ortmann mitarbeiteten.

In Velbert entwickelte sich die Einheitsfrontbewegung am weitesten. Auf ?Spitzenebene? trafen sich Akteure der KPD und SPD. Die Parteileitung setzte Josef Rath als Pol-Leiter, Heinrich Mühlhause als Kassierer und Heinrich Kulemann als Org-Leiter für die neue Gewerkschaftsstruktur ein. Ende 1934 kam es zu einem großen Treffen mit den Sozialdemokraten Ortmann und Diefenbach. Fest beschlossen wurde die Wiedergründung des Metallarbeiter-Verbandes mit paritätischen Leitungen. Eine neue Satzung wurde ausgearbeitet, und sogar die Abhaltung eines illegalen Verbandstags wurde ins Auge gefasst. Sie wurde aber von den Funktionären der Bezirksleitung aus Sicherheitsgründen verboten. Die Gewerkschaftsgruppen arbeiteten bei Tiefenthal, bei Engels und Wenke, August Engels, Tillmann & Meyer, August Küpper, Hülsbeck & Fürst, Yale & Towne, Schulte ? Schlagbaum, Herminghaus, Woeste & Co., Meinert, Wesser und Co., Karrenberg und Bergisch-Märkischen Eisenwerk.

Bei der Gießerei Tiefenthal entstand eine besonders Gewerkschaftsgruppe, die an die starken ehemaligen RGO-Gruppen vor 1933 anknüpfen konnte. Von 140 Beschäftigten sollen 90 Arbeiter gewerkschaftlich organisiert gewesen sein. Die Betriebsleitung, der diese Organisierung nicht entgehen konnte, erlaubte sogar eine Sammelaktion für die Kinder der politischen Gefangenen, für die eine Sammeldose offiziell beim Pförtner stand (siehe Download: Aussage Wirths zur Spendensammlung).

Wichtigster Partner der KPD in der Einheitsfront in Velbert war Ortmann. Mit ihm war ein örtlicher Spitzenfunktionär der SPD und Gewerkschaftsfunktionär in die Velberter Einheitsfront- und Gewerkschaftsgruppenbewegung eingebunden. Ortmann, geboren am 18. Dezember 1893 in Velbert, arbeitete bis zum 5. März 1933 als Angestellter des Arbeitsamts Velbert. Er war bis 1933 Vorstandsmitglied der SPD, Ortsverein Velbert. Neben anderen gewerkschaftlichen Funktionen wie Arbeitsrichter beim Arbeitsgericht Velbert, Mitglied des Arbeitsamtsausschusses in Velbert und Mitglied des Krankenkassenvorstandes in Velbert war er ebenfalls bis 1933 zweiter Bevollmächtigter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Ortsverwaltung Velbert. Im Mai und Juni 1933 erfolgte seine zweimalige Verhaftung und Festsetzung im Gebäude der Konsumgenossenschaft in Velbert (jeweils vier Tage) durch die SA. Seit dem 9. April 1934 arbeitete er bei Engels & Wenke als Stückzahlformer und trat in die DAF ein. Am 28. Februar 1935 wurde er festgenommen und am 12. Dezember 1935 zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Neben den Funktionären von KPD, KJVD und SPD war eine Reihe von parteilosen Arbeitern in den Wiederaufbau involviert. Charakteristisch für diesen Typus war der parteilose Karl Bolte. Bolte arbeitete als Former bei Engels & Wenke. Er wurde am 11. Februar 1935 verhaftet, musste aber am 25. November 1935 freigesprochen werden. Seine Aussage vor dem Wiedergutmachungsausschuss in Mettmann zeigt das politische Selbstverständnis der Gewerkschaftsbasis: ?Ich bin zu Unrecht verhaftet und neun Monate in Untersuchungshaft gewesen. Dass ich gegen die Naziherrschaft gekämpft habe, war mein gutes Recht. Ich habe mich lediglich eingesetzt für die Bildung der freien Gewerkschaften, welche doch vor 1933 gesetzlich erlaubt war.?

Mit Friedrich Fach hatte sich sogar ein christlicher Gewerkschafter dem Gewerkschaftswiderstand angeschlossen. Der Vater von zwei Kindern war als Former bei der Firma Tiefenthal beschäftigt. Er war früher Funktionär der christlichen Gewerkschaften, trat aber Ende 1932 wegen des Lohnabbaus aus und schloss sich 1932 der RGO an. Ende Oktober 1933 beteiligte er sich an Sammelaktionen für die politischen Gefangenen. Im Oktober 1934 informierte sein Kollege Rath ihn von dem neu zu gründenden Metallarbeiterverband. ?Dieser nahm die Anregung gerne auf, da er häufig Radio und insbesondere ausländische Sender hörte und dadurch die Überzeugung gewonnen hatte, dass die Lebensverhältnisse bei uns immer schlechter und die Arbeiter immer mehr unterdrückt würden.? Fach arbeitete als Zellenleiter bei der größten Velberter Betriebsgruppe und wurde am 31. Januar 1935 als einer der ersten Velberter verhaftet. Die Gestapo warf ihm vor, mit seinem Motorrad Kurierfahrten und Zeitungstransport für die illegale Gewerkschaft getätigt zu haben. Am 2. Dezember 1935 wurde er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Wuppertal-Bendahl, Butzbach und Roslau an der Elbe absaß. Nach seiner Entlassung am 30. Januar 1939 konnte Fach wie die meisten seiner verhafteten Kollegen wieder bei Tiefenthal anfangen.

Auf die Spur der Velberter Gruppen kam die Gestapo durch die ersten Verhaftungen Anfang 1935 in Wuppertal. Unter Folter gab der Wuppertaler KPD-Funktionär Gustav Domin Namen preis und führte die Gestapo zum Haus des Velberters Richard Plätzer. Am 25. Januar 1935 rollte eine große Verhaftungswelle an. Die ersten Festnahmen trafen Plätzer und seine Frau Helene, die beide bei August Engels in Velbert beschäftigt waren. Am gleichen Tag traf es auch Karl Astheimer. Er war bei Karrenberg beschäftigt, und ihm konnte die Gestapo illegale Gewerkschaftsarbeit nachweisen.

Über 100 Aktivisten wurden in den folgenden Wochen verhaftet und in insgesamt drei Prozessen zu meist langjährigen Haftstrafen verurteilt. Mit den Verhaftungen gelang der Gestapo schließlich die Zerschlagung fast aller funktionierenden Gewerkschaftsgruppen.

Vier Widerstandskämpfer aus Velbert überlebten den Krieg nicht. Rudolf Moser kam ins Strafbattaillion 999 und starb am 23.4.1943 in Tunesien. Karl Astheimer wurde nach Verbüßung von sieben Jahren Zuchthaus 1942 bei der Haftentlassung in Lüttringhausen wieder von der Gestapo verhaftet. Er wurde laut Gestapoakten am 15. Mai 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz eingewiesen. Nur wenige Wochen später, am 8. August 1942, erfolgte von dort die Todesmeldung an die Gestapo Düsseldorf. Er soll an Fleckfieber gestorben sein. Heinrich Kulemann wurde in Sachsenhausen in SS-Division Dirlewanger gezwungen und starb im Januar oder Februar 1945 nach erfolgreichem Überlaufen in Rumänien an der Krankheit Ruhr. Erich Ferlemann starb im April 1945 im KZ Sachsenhausen.

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