1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse
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GEWERKSCHAFTSPROZESSE

Verfolgung: Gestapo
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Gestapogebäude in der Von-der Heydt-Gasse (Wuppertal-Elberfeld)
Gestapogebäude in der Von-der Heydt-Gasse (Wuppertal-Elberfeld)
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Polizeigefängnis in der Bachstraße 21 (Wuppertal-Barmen) Polizeigefängnis in der Bachstraße 21 (Wuppertal-Barmen)
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Wilhelm Müller (Jg. 1896): Leiter der Wuppertaler Gestapo 1938-1940 Wilhelm Müller (Jg. 1896): Leiter der Wuppertaler Gestapo 1938-1940
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Josef Hufenstuhl (Jg. 1880): Leiter der Wuppertaler Gestapo ab 1940 Josef Hufenstuhl (Jg. 1880): Leiter der Wuppertaler Gestapo ab 1940
 
DIE WUPPERTALER GESTAPO
 

Die Dynamik der Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse wäre ohne das Vorgehen der nationalsozialistischen Verfolgungsbehörden nicht verständlich. Neben dem Justizapparat und den Dienststellen von NSDAP, SA und SS kommen hierbei vor allem die örtlichen Dienststellen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in den Blick, die sich seit 1933 maßgeblich an der terroristischen Zerschlagung der Arbeiterbewegung und der Überwachung des sozialistischen Milieus beteiligten. Bis 1937/38 standen die Überwachung der Arbeitermilieus und die Verfolgung der illegalen Organisationen der Arbeiterbewegung im Zentrum der staatspolizeilichen Tätigkeit.

Hervorgegangen war die Gestapo aus den politischen Abteilungen der preußischen Polizei. Nach dem Machtwechsel etablierte sich die Gestapo bis zum Kriegsbeginn schrittweise als eigenständige Exekutivbehörde, die unabhängig von der staatlichen Bürokratie agieren konnte und die zunächst ab 1936 dem Reinhard Heydrich unterstellten Geheimen Staatspolizeiamt (Gestapa) und seit Ende September 1939 dem zentralisierten Polizeiapparat im Berliner Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unterstand. Durch verschiedene Gesetze und Verordnungen, mit denen einerseits die Personen-, Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt und andererseits die Kompetenzen der politischen Polizei ausgedehnt wurde, war die Basis für eine uneingeschränkte Verfolgung der Gegner des Nationalsozialismus gelegt worden. Die Gestapo wurde mit einer Bandbreite von außernormativen Sonderrechten ausgestattet, die weit über die Kompetenzen der bisherigen politischen Polizei hinausreichten und von der Befugnis zur außerjustiziablen Freiheitsberaubung (?Schutzhaft?) bis hin zur administrativ verordneten Gefangenentötung reichte.

Nachdem die politische Polizei in Wuppertal bis Dezember 1933 faktisch als Hilfstruppe des SA-Nachrichtendienstes fungiert hatte, der ein Büro im Polizeipräsidium hatte und eigenständig Verhaftungen politischer Gegner vornahm, etablierte sich die Gestapo nach der rechtlichen Absicherung ihrer zentralen Stellung und der Ausschaltung der SA als konkurrierendem Machtfaktor als institutionelles Zentrum der ?Gegnerbekämpfung? in Wuppertal und Umgebung. Administrativ war die Wuppertaler Gestapo als Außenstelle der Gestapostelle (ab 1939 Gestapoleitstelle) in Düsseldorf unterstellt. Zum kommissarischen Leiter der Außendienststelle Wuppertal wurde am 1. April 1934 vertretungsweise der Kriminalpolizeirat Paul König ernannt, der kurze Zeit später von Kriminalrat Ernst Menneking und im April 1938 von Kriminalkommissar Wilhelm Müller abgelöst wurde. Als vierter Dienststellenleiter fungierte seit 1940 Kriminalrat Josef Hufenstuhl, der als ehemaliges SPD-Mitglied bereits in der Weimarer Republik bei der politischen Polizei gearbeitet hatte und die Außenstelle bis zum Kriegsende leitete. Mit ihren Nebenstellen in Remscheid und Solingen war die Wuppertaler Gestapo für den gesamten Polizeipräsidialbezirk Wuppertal zuständig, der neben Remscheid und Solingen auch die umliegenden Ortschaften Velbert, Neviges und Wülfrath umfasste. Ab 1940 erweiterten sich die Zuständigkeiten auf den gesamten Rhein-Wupper-Kreis.

Entsprechend der vorgesehenen Sollstärke der Außenstelle Wuppertal waren im Frühjahr 1937 insgesamt 43 Beamte verzeichnet, darunter sieben Verwaltungsbeamte im Innendienst. Jeweils vier Mitarbeiter waren für die Nebenstellen Solingen und Remscheid abgestellt. Angesichts der vielfältigen Fluktuationen dürften aber bis 1945 insgesamt wesentlich mehr Personen bei der Gestapo beschäftigt gewesen sein. Zur Unterstützung wurden zusätzliche Hilfskräfte angestellt: Sekretärinnen, vorzugsweise die Ehefrauen von Gestapoangehörigen, ein Dolmetscher sowie ein Fahrer. Ausgehend von einer Gesamtbevölkerung in ihrem Zuständigkeitsbereich von gut 700.000 Einwohnern im Jahr 1939 entfielen statistisch auf einen Gestapoangehörigen jeweils rund 16.000 Einwohner.

Bis die Gestapo Anfang September 1939 in das zentrale Polizeipräsidium auf der Friedrich-Engels-Allee (damals Adolf-Hitler-Straße) in Unterbarmen umzog, existierten vier Gestapo-Dienststellen im Wuppertaler Stadtgebiet, die sich auf die beiden Wuppertaler Zentren Elberfeld und Barmen konzentrierten. Räumlich residierten sie in der Von-der-Heydt-Gasse und in der Luisenstraße in Elberfeld bzw. am Kleinen Werth 9 und im Polizeigefängnis in der Bachstraße 21 in Barmen.

Entgegen mancher Mythen agierte die Gestapo weniger als isolierte und allmächtige Verfolgungsinstanz, sondern war eingebunden in ein komplexes lokal, regional und reichsweit operierendes Verfolgungs- und Überwachungsnetzwerk. Neben den Dienststellen des Sicherheitsdienstes der SS (SD) konnte sich die Gestapo bei ihrer Ermittlungstätigkeit auf die unterstützende Zuarbeit verschiedener staatlicher und parteiamtlicher Institutionen wie etwa der ?Nachrichtendienste? der Parteiorganisationen, des weit verzweigten Organisationsnetzes der NSDAP, der Deutschen Arbeitsfront (DAF), aber auch vermeintlich unpolitischer Organisationen wie der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) oder der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSFrauenschaft) sowie der staatlichen Verwaltungsbehörden verlassen, die Anzeigen erstatteten und/oder ergänzende Informationen über verdächtige Personen und ihr soziales Umfeld lieferten. Unterstützend wirkten zudem ein Netz von bezahlten, erzwungenen oder freiwilligen Zuträgern, Spitzeln und V-Leuten sowie die vielfältigen Denunziationen aus der Bevölkerung.

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