1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse
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GEWERKSCHAFTSPROZESSE

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Prozesse
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Fritz Kreikenbaum (Jg. 1898): in Gestapohaft am 8.2.1935 gestorben Fritz Kreikenbaum (Jg. 1898): in Gestapohaft am 8.2.1935 gestorben
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Willi Jericho (Jg. 1898): in Gestapohaft am 25.8.1935 gestorben Willi Jericho (Jg. 1898): in Gestapohaft am 25.8.1935 gestorben
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August Obermeier (Jg. 1903): in Gestapohaft am 17.6.1936 gestorben August Obermeier (Jg. 1903): in Gestapohaft am 17.6.1936 gestorben
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Friedrich Senger (Jg. 1886): in Gestapohaft am 3.8.1936 gestorben Friedrich Senger (Jg. 1886): in Gestapohaft am 3.8.1936 gestorben
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DOWNLOADS
Schreiben zu verschärften Vernehmungen
Schreiben zu Folter der Gestapo
Aussage zum Tod von Fritz Kreikenbaum
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ZERSCHLAGUNG DES ARBEITERWIDERSTANDS
 

Nachdem die politische Polizei gemeinsam mit den bewaffneten SA-Gliederungen bereits unmittelbar nach dem Januar 1933 einen systematischen Terror gegenüber den Angehörigen der Arbeiterbewegung und allen als oppositionell deklarierten Personen entfaltet hatte, war die Gestapo seit Ende 1934 maßgeblich an den Ermittlungen im Vorfeld der Gewerkschaftsprozesse beteiligt.

Zuständig waren hierbei in erster Linie die Beamten des Referats ?Kommunismus, Marxismus, Sozialismus?, die sich schon in der ersten Terrorwelle des Frühjahrs 1933 an der Zerschlagung des antifaschistischen Widerstands beteiligt hatten. Wegen des Umfangs an Ermittlungsvorgängen wurden aber auch die Mitarbeiter anderer Dezernate zu den Ermittlungen hinzugezogen. Zudem arbeitete die Gestapo bei ihren Ermittlungen eng mit dem Sicherheitsdienst der SS (SD) zusammen. Neben Hausdurchsuchungen und allgemeinen Überwachungs- und Berichtsaufgaben (Berichte, Ereignismeldungen und Ermittlungsergebnisse) gehörten vor allem die zahlreichen Vorladungen, Verhaftungen und anschließenden Vernehmungen zur Kernaufgabe der Gestapo. Nachdem die Wuppertaler Gestapo im Januar 1935 16 KPD-Funktionäre festgenommen hatte, wurden bis zum Sommer 1937 in mehreren Verhaftungswellen rund 1.900 Personen verhaftet und inhaftiert.

Bei ihren Ermittlungen gegen den illegalen Arbeiterwiderstand konnten sich die Gestapobeamten auf die Erkenntnisse stützen, die sie bereits in anderen Vernehmungen zu Tage gebracht oder im Vorfeld bei ihrer umfassenden Überwachungs- und Beobachtungstätigkeit ermittelt hatten. Kaum zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang die Tätigkeit von V-Leuten und Spitzeln. So brachten die Aussagen von Walter Torner, einem ehemaligen Kommunisten, der selbst im KZ Kemna und im Moorlager Papenburg interniert gewesen war und sich dann freiwillig der Gestapo andiente, die Massenverhaftungen ins Rollen. Oftmals führten die erzwungenen Aussagen einzelner Personen dazu, dass weitere Personen verhaftet und inhaftiert wurden. Zum Teil wurden an einem Tag 20 und mehr Personen verhaftet und zur Vernehmung in die Gestapozentralen verschleppt. Die Vernehmungen fanden hauptsächlich in der Polizeihauptwache Von-der-Heydt-Gasse in Elberfeld sowie in der Polizeidienststelle Bachstraße in Barmen statt.

Bei den Vernehmungen war das Vorgehen der Gestapo in der Regel von schonungsloser Brutalität gekennzeichnet. Zum Teil mussten die Häftlinge bereits vorgefertigte Protokolle unterschreiben. Falls Angebote und Versprechungen nicht die gewünschten Ermittlungsergebnisse zeitigten, gehörten Drohungen, Erpressungen und Misshandlungen zum alltäglichen Handlungsrepertoire der Gestapobeamten. Deuteten die Ergebnisse oder widersprüchliche Aussagen darauf hin, dass ein Häftling Kenntnisse über wichtige staatsfeindliche Sachverhalte, Verbindungen oder Planungen verschwieg, wurden die so genannten ?verschärften Vernehmungen? [siehe Download: Schreiben zu verschärften Vernehmungen] angewendet, die mit Essens- und Schlafentzug, Ermüdungsübungen, Unterbringung in Dunkelzellen, Misshandlungen, Erniedrigungen und brutaler Folter einhergingen. Zur Malträtierung der Gefangenen wurden praktisch alle erdenklichen Schlagwerkzeuge verwendet: Gummiknüppel, Ochsenziemer, Bleirohre, Tauenden oder Peitschen. Die Häftlinge wurden oftmals bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und danach mit kaltem Wasser wieder zu Bewusstsein gebracht, um danach wieder zusammengeschlagen zu werden. Manchmal lagen die Inhaftierten bis zu 14 Tage an den Händen und Füßen gefesselt, so dass sie sich weder aufrichten, noch ausstrecken konnten. Bei vielen Häftlingen wiederholten sich die Misshandlungen im Laufe von Tagen und Wochen. Häufig wurden sie noch aus der Untersuchungshaft oder gar nach ihrer Verurteilung aus der Strafhaft wieder der Gestapo überstellt, um zum Beispiel andere Personen zu überführen, und wurden bei diesen Gelegenheiten erneut misshandelt. Die meisten Häftlinge trugen schwerste gesundheitliche Schäden davon. Die Aussagen der überlebenden Folteropfer [siehe Download: Schreiben zu Folter der Gestapo] geben jedenfalls noch heute einen beklemmenden Eindruck über die damaligen Geschehnisse. Unter dem Eindruck der erlittenen Misshandlungen, aus Furcht vor neuen Folterungen oder weil sie ihre Genossen nicht an die Gestapo verraten wollten, hat eine Reihe von Verhafteten ihrem Leben ein Ende gesetzt. Nachweislich kamen in den Folterkellern zwischen Januar 1935 und Frühjahr 1937 mindestens 17 Personen ? unter meist ungeklärten Umständen [siehe Download: Aussage zum Tod von Fritz Kreikenbaum] ? zu Tode.

Wie systematisch die Gestapo im Vorfeld der juristischen Behandlung des organisierten Arbeiterwiderstands Misshandlungen und Folterungen anwendete, belegen die Beschwerden, die von der Gestapo in Richtung der Gerichte formuliert wurden. Die Düsseldorfer Gestapoleitstelle kritisierte in einem Schreiben die angeblich zu ?laxe Behandlung der Festgenommenen durch die Vorführungsrichter? beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm. Dagegen stellte sich die Gestapo auf den Standpunkt, dass man bei der ?Hartnäckigkeit? der festgenommenen Funktionäre ?zwangsläufig zu Maßnahmen? greifen müsse, die ?allein eine erfolgreiche Aufklärungsarbeit verbürgen und im Interesse der Staatssicherheit unbedingt erforderlich sind?. Anlass zur Klage gaben auch die angeblich ?milden Teilurteile? des im Wuppertaler Landgericht tagenden OLG Hamm. Es seien lediglich Gefängnisstrafen verhängt worden, teilweise sei es sogar zu Freisprüchen gekommen. Tatsächlich hatte eine größere Anzahl von Angeklagten, ihre bei der Gestapo gemachten Geständnisse vor Gericht mit dem Hinweis auf die erlittenen Folterungen oder falsch protokollierte Aussagen widerrufen.

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