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Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse
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Emil Löhde (Jg. 1893): wurde in dem Verfahren zu 2 Jahren und 4 Monate Zuchthaus verurteilt Emil Löhde (Jg. 1893): wurde in dem Verfahren zu 2 Jahren und 4 Monate Zuchthaus verurteilt
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Gestapobericht zur Flucht von Ernst Lau
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LÖHDE U.A.
 

Im großen Elberfelder Verfahren "Emil Löhde u.a." (6 O.Js. 346-35) standen insgesamt 80 Personen vor Gericht, gegen 42 Frauen und Männer hatte die Generalstaatsanwaltschaft am Oberlandesgericht (OLG) Hamm das Verfahren bereits vor der Verhandlung eingestellt. Außer den direkt am Verfahren beteiligten waren neun weitere Personen von der Gestapo gesucht worden.

Diese konnten aber auf unterschiedlichen Wegen ins Ausland emigrieren: so etwa Otto Gilde und Ernst Lau, die nach ihrer Flucht am Spanischen Bürgerkrieg teilnahmen. Ernst Lau gelang sogar eine spektakuläre Flucht, nachdem er von der Gestapo am 25. Januar 1935 festgenommen worden war. Am selben Tag gab er gegenüber der Gestapo zu, dass er ein gesuchtes Vervielfältigungsgerät in einer Fichtenschonung auf der Höhe der Straße In der Beek versteckt hätte. Der Kriminalangestellte Artur Peters fuhr in Begleitung eines Beamten des SD zusammen mit dem Beschuldigten Lau an die angegebene Stelle, um die Aussage zu überprüfen. Sie nahmen Lau die Handfesseln ab, damit er an der vermuteten Stelle nach dem Gerät graben konnte. Nach einiger Zeit gelang es Lau, durch das Dickicht der Fichtenschonung zu fliehen. Die weitere Suche nach ihm verlief ergebnislos (siehe Download: Gestapobericht zur Flucht von Ernst Lau). Diese Flucht blieb aber eine Ausnahme. Lau kam später im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben.

Fast alle der 122 Verfahrensbeteiligten wurden zwischen Ende Januar und Ende Mai 1935 festgenommen. Bei jedem Dritten Verhafteten stellte die Generalstaatsanwaltschaft das Verfahren - meist mangels Beweisen - wieder ein. Die anderen Männer und Frauen wurden dann nach acht Verhandlungstagen am 18. Januar 1936 im Wuppertaler Landgericht vom Vorsitzenden des II. Strafsenats des OLG Hamm, Landgerichtspräsident Dr. Ernst Hermsen, verurteilt. Vier Personen sprach er frei, da sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft aus seiner Sicht nicht halten ließen. Fünf Männer wurden nach § 21 der ?Reichstagsbrandverordnung? zu mehreren Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, die sie bereits durch die angerechnete Untersuchungshaft verbüßt hatten. Bei Helene Obermeier nahm der Richter lediglich ?Beihilfe zu einem Verbrechen der Vorbereitung zum Hochverrat? an, was die typische Sichtweise der nationalsozialistischen Justiz gegenüber Frauen bestätigt. Demnach wurden die Aktivitäten von Frauen oft lediglich als Hilfe für die Männer gewertet. Die übrigen Angeklagten wurde wegen ?Vorbereitung zum Hochverrat? nach dem § 83 StGB (neue Fassung) zu mehreren Monaten oder Jahren Gefängnis- bzw. Zuchthaus verurteilt. Die höchsten Strafen erhielten mit jeweils vier Jahren Zuchthaus die Angeklagten Otto Zins, Heinz Hahn, Heinrich Philippiak, Arthur Hoegen, Wilhelm Obermeier und Adolf Wilkesmann.

Im Verfahren ?Löhde u.a.? wurde in erster Linie der Wiederaufbau illegaler KPD-Strukturen in Elberfeld verhandelt; und zwar auf der unteren Ebene (Zellen bzw. Ortgruppen). Dabei spielte der Vertriebsweg von Schriften ebenso eine bedeutende Rolle wie die Kassierung der einzelnen Mitglieder. Ferner wurde ermittelt, wer welchem Funktionär Unterschlupf gewährt hatte, und in welchen Wohnungen illegale Treffen stattfanden.

Heinz Hahn baute beispielsweise in der Cronenberger Straße eine KPD-Zelle auf. Da er dort als Vertreter für Kaffee tätig war, kannte er viele Menschen und konnte sie so für seine Ziele erreichen, ohne zunächst weiter aufzufallen. Seine Zelle bestand aus etwa zehn Mitgliedern. Er sammelte Beiträge ein und verteilte Flugzettel und Schriften, die er von verschiedenen KPD-Funktionären erhielt.

Heinrich Philippiak war unter anderem für die Verteilung von Schriften verantwortlich, die er in der Regel von Otto Heyler und Gustav Domin erhielt. An wen er diese weiter verteilte bzw. verkaufte, konnte die Gestapo nicht einwandfrei ermitteln.
In der Wohnung der Eheleute Obermeier hatten sich mehrere KPD-Funktionäre (unter anderem Paul Claasen) aufgehalten. Ebenso diente diese Wohnung als Anlauf- sowie Verteilstelle illegaler Schriften (z.B. der ?Deutsche Metallarbeiter? und der ?Deutsche Textilarbeiter?). Darüber hinaus soll Wilhelm Obermeier eine RGO-Zelle kassiert und mit Literatur beliefert haben.

Arthur Hoegen dagegen war der politische Leiter der Ortgruppe Ost und hatte unter anderem die Aufgabe, die Verbindung zwischen der Ortsgruppe und dem KPD-Funktionär Hans Breuer aufrecht zu erhalten.

Während die Hauptangeklagten in erster Linie den Aufbau der KPD organisierten, bestand die Hauptaufgabe von Wilkesmann im Aufbau der RGO bzw. Gewerkschaftsgruppen in Elberfeld. Seine Instruktionen erhielt er vom Hauptverantwortlichen für Wuppertal, Paul Claasen. Später übernahm Wilhelm Anger die Position von Claasen. Wilkesmann wurden die Gewerkschaftszellen in den Firmen Reimann & Meyer sowie Bröker unterstellt.

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